Aus dem Heidekurier vom 16.1. 2008
Polizei nahm 21jährigen auf dem Rückweg fest
Die Polizei begleitete den Zug nach der Auftaktkundgebung in der Nähe des Bahnhofs zum Rathausplatz,
wo die Abschlußkundgebung geplant war.
SCHNEVERDINGEN. Zu einer
spontanen antifaschistischen Demonstration
versammelten sich am
vergangenen Samstag in Schneverdingen
rund 100 meist junge Teilnehmer.
Nach Angaben der Veranstalter
kamen die Demonstranten
zumeist aus dem Landkreis Soltau-
Fallingbostel, nach Angaben der Polizei
aus dem Großraum Bremen,
Stade, Osterholz, Hannover, Lüneburg
und Dresden. Grund war ein erwarteter
Infostand der NPD in
Schneverdingen und „die Tatsache,
daß hier eine der bekanntesten Nazi-
Kameradschaften zuhause ist und
daß die ‚Snevern Jungs‘ gleich drei
NPD-Landtagskandidaten stellt“,
wie es in einer Pressemitteilung von
DGB- und ver.di-Funktionär Heinz-
Dieter (Charly) Braun heißt.
Die Polizei zog kurzfristig mehrere
Einsatzkräfte in der Heideblütenstadt
zusammen und begleitete den
Zug. Nach einer kurzen Auftaktkundgebung
in der Nähe des Bahnhofs
ging es gegen 11.15 Uhr in
Richtung Rathaus - die Abschlußkundgebung
war auf dem Vorplatz
an der Schulstraße geplant. In mehreren
Reden ging es dort um den
„Nazi-Charakter der NPD“ und die
„Snevern Jungs“. Als Gastredner
berichtete Heinz-Dieter Braun von
Erfolgen der Aufklärungsarbeit über
die „außerhalb auch brutal agierende
Kameradschaft“. Die „Antifa-Aktion-
SFA“ verteilte Flugblätter und
der DGB Exemplare der antifaschistische
Zeitung „get up“.
Bis zum Ende der Demo gegen
12.30 Uhr gab es keine Zwischenfälle,
was danachg geschah wird von
den Beteiligten unterschiedlich dargestellt:
Während Braun davon berichtet,
daß die Polizisten einen Demonstranten
festnahmen, weil er einen
Aufkleber an einer Straßenlampe
anbrachte und diese „Provokation“
zu einer weiteren „regelrecht brutalen
Festnahme“ führte, heißt es im
Polizeibericht, ein 21jähriger Walsroder
habe an der Ecke Verdener
Straße/Bahnhofstraße „völlig grundlos“
Polizeikräfte angegriffen „und
drei Beamte leicht verletzt“. Der Täter
sei umgehend festgenommen
worden. Gegen den 21jährigen ermittelt
die Polizei wegen Körperverletzung.
Auch gegen einen 49 Jahre
alten Walsroder leiteten die Beamten
ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung
ein.
Nicht im Polizeibericht erwähnt ist
ein späterer Zwischenfall, von dem
Heinz-Dieter (Charly) Braun berichtet:
Nach Angaben Brauns war die
Sackgasse Wilhelm-Busch-Straße,
in der NPD-Landtagskandidat Matthias
Behrens wohnt, zunächst polizeilich
abgesperrt. „Daß die Kameraden
der ‚Snevern Jungs‘ und
NPD Wölfe im Schafspelz sind, bewiesen
sie später. Nach Öffnung der
Wilhelm-Busch-Straße forderten die
Nazis in der Stadt junge Antifaschisten
zur Schlägerei auf“. Die jungen
Leute seien in einen Supermarkt geflohen.
Die couragierte Filialleiterin
habe die rechten Verfolger aus dem
Supermarkt verwiesen.