Zum vorfall in schneverdingen der pressetext der polizei:
polizeibericht Fri, 25 Jan 2008 10:25:11 +0100
Soltau-Fallingbostel (ots) - 24.01. Wahlplakate beschädigt - Täter durch Gruppe verfolgt und gestellt... Schneverdingen: Während zwei 21- und 22-Jährige Männer aus Lüneburg bzw. Hamburg im
Bereich der Heberer Straße in Schneverdingen mehrere Wahlplakate beschädigten bzw. entfernten, wurden sie kurz vor 1.00 Uhr von einer Gruppe von fünf Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren
überrascht. Über die folgenden Ereignisse gehen die Darstellungen der beteiligten Parteien auseinander. Während die beiden jungen Männer und ihre 21-Jährige Fahrerin der Polizei mitteilten, durch
mehrere Mitglieder der Gruppe geschlagen und getreten worden zu sein, gaben die Gruppenmitglieder an, die flüchtenden Täter verfolgt und gestellt zu haben, um sie anschließend der Polizei zu
übergeben. Zwar seien die beiden Täter und einige Mitglieder der Gruppe hierbei gestürzt, geschlagen und getreten hätte die beiden Täter jedoch niemand. Die beiden 21 und 22 Jahre alten Männer
wurden im Heidekreisklinikum Soltau ambulant behandelt. Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung bzw. Körperverletzung gegen die Beteiligten ein.
und Augenzeugen Bericht:
Anzeige ist schon von der polizei erstattet.
einer meiner Freunde wurde von 3 Nazis verfolgt,
zu Boden geworfen und dann getreten.
er hat "nur" prellungen und es geht ihm soweit
wieder ganz okay.
der andere wurde von 2 nazis verfolgt (dabei
auch NPD-Landtagskandidat und Kameradschaftsfüher der "Snevern-Jungs" Matthies Behrens) und zu Boden geworfen.
weiter haben sie aber nichts gemacht.
eine Zeugin saß im Auto und hat das auch
gesehen.
beide Opfer sind dann ins Krankenhaus
gefahren und haben sich alle Verletzungen
aufschreiben lassen.
die Nazis haben die beiden, gegen ihren willen
natürlich, fotografiert.
die Polizei hat ironischerweise einer der Nazis
gerufen. die Beamten haben alle personalien
aufgenommen.
sie meinten außerdem zu meinen freunden, dass
diese wegen der Plakate nichts zu befürchten hätten.
leider kennen die beiden sonst keine Namen.
die polizei hat alle, aber sie sind den Opfern nicht
namentlich bekannt.
Schneverdingen scheint jetzt wieder voll mit NPD-plakaten
zu sein...
von Andrea Röpke 24.1.08 für "Blick nach Rechts" (BNR):
Woche für Woche versendete die NPD in Niedersachsen neue Pressemitteilungen in die Redaktionsstuben der ansonsten verhassten „Systempresse“. Entweder Spitzen-kandidat Andreas Molau oder der für die
Medienarbeit zuständige Patrick Kallweit aus Vienenburg kündigten jedes Mal große Aktionen an. Einmal teilte Molau der Peiner Allgemeinen
Zeitung Mitte Januar mit, dass nun 40.000 Stück des DVD-Werbeträgers „Offensiv“ unter das Wahlvolk gebracht werden sollten und die NPD-Verbände angewiesen waren, „zusätzliche Exemplare“ zu brennen,
„um somit die Auflage auf mindestens 80.000 zu verdoppeln“. Dann lud Molau Journalisten zu einer Buchvorstellung seines ersten Romans „Die
Entdeckungen des Alexander Kern“ nach Göttingen ein. Die musste dann allerdings ausfallen, weil es Gegen-demonstranten gelungen war, bis in den Saal des noblen Hotel Gebhards in der Innenstadt
vorzudringen. Mit den kurzen Worten „marschbereit machen“ ordnete einer der NPD-ler den leisen Rückzug an.
Die von Kallweit organisierte Doppelkundgebung in Goslar und Salzgitter am 19. Januar mobilisierte nur rund 60 Kameraden, obwohl die Rednerliste mit NPD-Chef Udo Voigt und Christian Worch szene-prominent besetzt war. In der Harzstadt Goslar gingen die braunen Tiraden in einem
Pfeifkonzert unter und in Salzgitter mochte keiner der Kandidaten auf einem menschenleeren Festplatz reden. Nach nur 15 Minuten zog die unerwünschte Truppe wieder ab. Vonseiten der NPD hieß es später, die Teilnehmer hätten „den Rest des Tages“ noch für „Verteil- und Plakataktionen“ genutzt.
Parallel dazu wurde in einer „Medien-Information“ des Landesvorsitzenden der „Jungen Nationaldemkraten“ Daniel Fürstenberg eine
„Jungwähleroffensive“ der NPD Verden angekündigt. Denn die Jugend solle wissen, dass „die NEUE Zeit vor der Tür steht. Sie kann diese Tür mit ihrer Stimme öffnen“.
Drei NPD-Aktivisten, die am 22. Januar einen Info-Stand in der Reiterstadt an der Aller durchführten und kaum auf Interesse bei Schülern
stießen, trugen diese „Offensive“ an die Öffentlichkeit.
Das wenige was bei der niedersächsischen NPD erfolgreich zu verlaufen scheint, sind Postwurfsendungen und Verteilungen von Wahlkampfzeitungen in Wohn-gebieten.
Infostände fanden kurz vor der Landtagswahl u.a. in Hannover-Langenhagen, Celle, Osnabrück, in den Landkreisen Rotenburg und Soltau-Fallingbostel statt. Im Landkreis Stade stellte Landtagskandidat Adolf Dammann insgesamt nur einen Infostand in Buxtehude auf die Beine, mit wenig Unterstützung aus der Region. In
Wilhelmshaven liefen Anhänger der AG Wiking und Schweriner Kameraden von Haus zu Haus, einen Informationsstand gab es nicht in der Stadt am Jadebusen.
Auch die JN Sachsen-Anhalt hatte in einem internen Schreiben die „Unterstützung für den Wahlkampf in NDS“ als „bisher eher schlecht als Recht“ kritisiert.
Daher wollte die Bundesführung der Jungen Nationaldemokraten „die Kameraden dort unterstützen“ und am 21. Januar, sechs Tage vor der Wahl, eine Schülerzeitung „gegen
Mittag (Schulschluss) in NDS (Nähe Grenze zu S-A) verteilen“. Eindringlich wurden Sympathisanten aufgerufen mitzumachen um so die landesweiten Wahlhelfer der NPD mit
einer “konzertierten Aktion“ zu unterstützen. Tatsächlich schien diese „Schüler-Aktionstag“ aber ebenso wie DVD-Verteilaktionen nur an wenigen Orten stattgefunden zu haben, u.a. an einer
Realschule im Landkreis Wolfenbüttel, an der Adolf-Kolping-Schule in Lohne bei Vechta und im Berufsschulzentrum in Northeim. Für die letzten Tage setzen die
NPD-Strategen auf Lautsprecherfahrten. Auch die Einwohner abgelegener Gebiete sollen, wie im Wahlkampf in Mecklenburg-Vor-pommern, mit
monotonen Endlos-Parolen bis in die Wohnzimmer hinein berieselt werden.
Wie es scheint plagen personelle Nöte und interne Auseinandersetzungen die NPD-Wahlkämpfer. In manchen Landkreisen hängt kaum ein Plakat. In anderen Orten sind
sie so hoch oben angebracht, dass sie nicht mehr lesbar sind. Oft sind die aufgehängten Werbeträger auch nach nur kurzer Zeit entfernt – ersetzt werden sie in
diesem Wahlkampf nicht. In Schneverdingen kam es Mittwoch Nacht zu Auseinandersetzungen beim Plakatieren. Zwei Jugendliche sollen von Neonazis ange-griffen
und verletzt worden sein.
Einigen NPD-Protagonisten gelang es durchaus etablierte Medien zu nutzen. Das Anzeigenblatt „Wolfenbütteler Schaufenster“ verteilte
in seiner Ausgabe vom 16. Januar die vierseitige Wahlkampfzeitung der Neonazis, als sei es eine ganz normale Beilage. „Wir behandeln alle gleich und somit darf auch
jede Partei im Wahlkampf bei uns werben“, rechtfertigte die Anzeigenleiterin das Verhalten des Verlags. Der Chefredakteur jedoch wiegelte ab, die Redaktion habe von
der Beilage nichts gewusst. Die „Grünen“ forderten die Zeitung schließllich auf, erzielte Werbeeinnahmen für die Prävention gegen Rechts zu spenden.
Zu den „Achimer Argumenten“ einer Podiumsveranstaltung mit Kandidaten zum Thema „Jugendkriminalität“, veranstaltet vom Achimer Kreisblatt, wurde der wegen
Volksverhetzung vorbestrafte NPD-Kandidat Rigolf Hennig nicht eingeladen. Die NPD, als menschenverachtende Partei sollte keine Plattform erhalten. Die Neonazis um Hennig und Fürstenberg gaben
sich danach damit zufrieden, wenigstens im darauffolgenden Zeitungs-Bericht als Unruhestifter im Saal erwähnt zu werden.
Andere Kandidaten wie Adolf Dammann oder Niels Fortmann aus Nienburg wurden bereitwillig mit Foto und ausländerfeindlichen Sprüchen in der Lokalzeitung
vorge-stellt. Doch auch diese umstrittene Chance auf kostenlose Werbung wussten drei NPD-ler nicht zu nutzen. Weil sie nicht bereit waren, den „Harburger Anzeigen- und Nachrichten“ weder
persönliche Daten noch ein Foto zu überlassen, durften sie auch keine politischen Aussagen machen –
Andrea Röpke